Aktionen zum Schutz des  Regenpfeiferackers

Gemeinsame Pressemitteilung von NABU und BUND Baden-Württemberg

28.11.2025

 

Regenpfeiferacker bewahren: NABU und BUND fordern Streichung der Windenergievorrangfläche

Europaweit bedeutender Rastplatz für Zugvögel darf nicht verbaut werden

 

Stuttgart – Der Regenpfeiferacker bei Hemmingen ist einer der wichtigsten Rastplätze für Zugvögel in Baden-Württemberg – und von landesweiter Bedeutung für zahlreiche gefährdete Arten wie zum Beispiel den Mornellregenpfeifer. Trotzdem ist das Gebiet im aktuellen Entwurf der Teil-Regionalplanung des Verbands Region Stuttgart als Vorrangfläche für Windkraft (LB-08) vorgesehen.

 

Am 3. Dezember soll die Regionalversammlung die Satzung über die Teilfortschreibung des Regionalplans zur Festlegung von Vorranggebieten für Windkraftanlagen beschließen. Vor diesem Hintergrund wenden sich die Naturschutzverbände zusammen mit ihren Gruppen aus der Region gemeinsam gegen diese Planung und fordern, den Regenpfeiferacker aus der Windkraftkulisse herauszunehmen.

 

Windenergie ja – aber naturverträglich

NABU und BUND unterstützen ausdrücklich den Ausbau der Windenergie als wichtigen Teil der Energiewende und begleiten die Planungsoffensive des Landes Baden-Württemberg seit Jahren konstruktiv. Wesentlich für die Verbände ist, dass der Ausbau so naturverträglich wie möglich erfolgt. Entscheidendes Kriterium dafür ist an erster Stelle eine gute Standortwahl.

 

Nur in ganz wenigen Fällen setzen sich die Verbände gegen die von den zwölf Planungsregionen des Landes vorgesehenen Vorranggebiete für Windenergie ein. Der sogenannte Regenpfeiferacker bei Schwieberdingen-Hemmingen ist die einzige Fläche im Landkreis Ludwigsburg, die die Verbände aufgrund ihrer landesweiten Bedeutung als Rastplatz für eine große Zahl unterschiedlicher Arten und Individuen für den Ausbau der Windenergie für ausgeschlossen halten.

 

Gerade bei besonders sensiblen Arten und Schlüsselgebieten müssen aus Sicht der Verbände klare Grenzen gesetzt werden. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass der Mornellregenpfeifer vertikale Strukturen wie Windenergieanlagen großräumig meidet. Wird der Regenpfeiferacker mit Windrädern bebaut, verliert der Mornellregenpfeifer diesen Rastplatz faktisch komplett. Der streng geschützte Vogel nutzt das Gebiet regelmäßig auf seinem Zug zwischen Brutgebieten in Nordeuropa und den Überwinterungsgebieten im Süden.

 

Ein Schlüsselgebiet für den Vogelzug

Neben dem Mornellregenpfeifer rasten auf der Fläche regelmäßig mehr als 40 weitere Zugvogelarten, darunter Korn- und Wiesenweihe, Brachpieper oder Ortolan. Der Regenpfeiferacker bietet weitläufige, offene Ackerflächen – genau die Strukturen, die viele Zugvögel für Rast und Nahrungssuche benötigen. Geht dieser Rastplatz verloren, fehlen ihnen auf der langen Reise entscheidende Trittsteine, mit Folgen weit über die Region Stuttgart hinaus. Eine gerade rechtzeitig vor der entscheidenden Regionalversammlung fertig gestellte fachgutachterliche Einschätzung belegt und unterstreicht die landesweite Bedeutung der Fläche. Auf die überragende Bedeutung der Fläche weisen auch das Landratsamt Ludwigsburg und das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart in ihrer Stellungnahme hin. Das RP rät ausdrücklich von einer Ausweisung der Fläche ab.

 

Forderungen an den Verband Region Stuttgart: Verantwortung für den Naturschutz übernehmen

NABU und BUND verbinden ihre Kritik am Standort LB-08 mit einem klaren Appell an die Mitglieder der Regionalversammlung: „Werden Sie Ihrer Verantwortung für den Naturschutz gerecht, indem Sie der Ausweisung des Regenpfeiferackers als Windvorrangfläche nicht zustimmen“, betont Enssle.

„Wir brauchen Windkraft – aber wir dürfen dafür nicht ausgerechnet die letzten überregional bedeutsamen Rastplätze für Zugvögel opfern“, so die BUND-Landesvorsitzende Sylvia Pilarsky-Grosch. „Der Verband Region Stuttgart hat es jetzt in der Hand, hier ein klares Signal für eine wirklich naturverträgliche Energiewende zu setzen.“

 

Ehrenamt trägt den Vogelschutz – und verdient Respekt

Dass die Bedeutung des Regenpfeiferackers heute so gut dokumentiert ist, ist vor allem der jahrelangen Arbeit von Ehrenamtlichen zu verdanken. Seit 2013 kartieren engagierte ehrenamtliche Ornithologen der Naturschutzverbände systematisch den Vogelzug in dem Gebiet, dokumentieren Rastzahlen und setzen sich für den Schutz der besonders wertvollen Fläche ein.

„Ohne das genaue Hinsehen und Dranbleiben unserer Ehrenamtlichen wäre die Datenlage zu vielen besonderen Arten viel zu dünn. Gerade, weil im Zeichen der Beschleunigung für viele Verfahren keine umfangreichen Artenschutzgutachten mehr erstellt werden müssen“, sagt der NABU- Landesvorsitzende Johannes Enssle. „Die Menschen, die bei Wind und Wetter draußen stehen, leisten hier unsichtbare Grundlagenarbeit für den Naturschutz. Und genau dieses Wissen muss in der Planung ernst genommen werden.“

 

Hintergrund zum Fachgutachten:

Im Zeitraum 2024 bis 2025 (bei einigen Arten 2021 bis 2025) wurden Erfassungen von 14 wertgebenden Rastvogelarten mit insgesamt ca. 1.150 Individuen ausgewertet, darunter mehrere Greifvogelarten, Watvögel und seltene Singvögel. Zu den besonders relevanten Arten zählen etwa Kornweihe (stark gefährdet), Wiesenweihe (Vorwarnliste), Rohrweihe und Merlin sowie Kiebitz, Goldregenpfeifer (vom Erlöschen bedroht) und Mornellregenpfeifer (stark gefährdet), deren Rastzahlen und regelmäßige Nutzung dem Gebiet landesweit hohe Bedeutung verleihen. Auch sehr seltene Singvogelarten wie Brachpieper (stark gefährdet) und Ortolan (gefährdet) wurden regelmäßig bei der Rast erfasst.

 

Link zum Fachgutachten

 


Rückblick auf Kundgebung und Führung am Regenpfeiferacker am 18. Oktober

Am Samstag Vormittag luden alle benachbarten NABU-Gruppen zu einem Vor-Ort-Termin auf dem Regenpfeiferacker zwischen Hemmingen und Schwieberdingen ein.

Obwohl die baden-württembergischen Naturschutzverbände, das Landratsamt Ludwigsburg und das Regierungspräsidium Stuttgart den Regenpfeiferacker ausdrücklich als ungeeignet für Windkraftanlagen befunden haben, ist die Fläche immer noch als Windkraft-Vorranggebiet (LB08) ausgewiesen. Die Regionalversammlung Stuttgart wird am 3. Dezember über das Schicksal des Regenpfeiferackers entscheiden.

Fachkundige NABU-Vertreter wie Thomas Gölzer (Schwieberdingen-Hemmingen) und Johannes Völlm (Korntal-Münchingen) informierten über die guten Gründe, warum hier auf keinen Fall Windkraftanlagen gebaut werden sollten. Die Fläche liegt an einer wichtigen Vogelzuglinie und bietet durch ihre tundraähnlichen Strukturen gute Rastmöglichkeiten für viele, auch bedrohte Vögel. Ganz besonders überlebenswichtig ist der Acker für den Mornellregenpfeifer, der vertikale Strukturen wie Bäume und eben Windräder meidet. Für ihn gibt es inzwischen auf seiner Reise in den Süden nur noch ganz wenige geeignete Rastplätze.  

 

Etwa 40 Interessierte haben sich der Einladung angeschlossen, darunter die Regionalräte der Grünen, Angela Brüx und Leo Buchholz. Beide setzen sich für den Schutz der Fläche ein. Auch der  grüne Landtagsabgeordnete, Markus Rösler,  plädierte bei der Veranstaltung  leidenschaftlich dafür,  diese Fläche aus der Windkraft-Vorrangplanung herauszunehmen.

 

Wir danken allen, die zu dieser interessanten Informationsveranstaltung beigetragen haben und sich für den Schutz des Regenpfeiferackers stark gemacht haben! Wir danken auch der Ludwigsburger Kreiszeitung und der Vaihinger Kreiszeitung für ihre ausführliche und fundierte Berichterstattung.


NABU – Aktion zum Schutz des Regenpfeiferackers am 20.09.

Bei den Klima.Länd.Tagen am 20. September in Vaihingen ging es unter anderem um den naturverträglichen Ausbau von Windenergie. Das Gebiet Regenpfeiferacker bei Hemmingen ist ein wichtiges Rastgebiet auch für seltene Zugvogelarten. Trotzdem ist diese Fläche als Windkraft-Vorrangfläche vorgesehen. Weil Windräder dieses Gebiet als Rastplatz z.B. für den seltenen Mornellregenpfeifer unbrauchbar machen würden, setzen sich die NABU-Gruppen rund um den Regenpfeiferacker für dessen Schutz ein (s. Artikel unten). Wir haben die Veranstaltung in Vaihingen genutzt, um unser Anliegen sichtbar und hörbar zu machen. Wir befürworten die Nutzung von Windenergie grundsätzlich, appellieren aber an alle Beteiligten der Vorrang-Planungen des Verbandes Region Stuttgart, das Gebiet rund um den Regenpfeiferacker aus der Vorrangplanung herauszunehmen. 

„Windkraft naturverträglich planen, Regenpfeifer und Co. schützen!“

 Das Gebiet „Regenpfeifer Acker“ bei Hemmingen hat eine überragende Bedeutung für den Naturschutz in der Region. Und weit darüber hinaus für die Erhaltung bedrohter nordeuropäischer Zugvogelarten, die das Gebiet auf ihrem weiten Zug nach Süden und zurück als Rastplatz nutzen.  

 

 

Die Windkraft-Vorrangplanungen des Verbands Region Stuttgart (VRS) sind in der zweiten und finalen Runde und sehen vor, Windkraftanlagen auch auf dem einmaligen Gebiet des Regenpfeifer Ackers (LB-08) zu errichten. 

 

Die sechs (6) NABU-Gruppen rund um den Regenpfeifer Acker haben sich zusammengeschlossen, um den Erhalt des Regenpfeifer Ackers als europäischen Zugvogelrastplatz zu sichern.

Es ist bekannt und wissenschaftlich nachgewiesen, dass der Mornellregenpfeifer Vertikalstrukturen, also Masten aller Art, auf seinen Routen großräumig meidet. Die wertvollen Rastplätze wären verloren.

 

Es würden über 40 Zugvogelarten bedroht, allen voran der Mornellregenpfeifer. Der Mornellregenpfeifer wird seit 2011 in seiner Rast auf dem Gebiet des Regenpfeifer Ackers systematisch beobachtet. Seine Bewegungen werden durch nahezu lückenlose Beobachtung registriert in hoher Zahl.

 

Durch die Fachagentur Wind und Solar werden die NoGo´s der Windkraftplanung länderspezifisch im Netz dargestellt. Für Bayern werden Rastplätze des streng geschützten Mornellregenpfeifers explizit als Windkraftstandort ausgeschlossen! Das muss dem Planer für LB-08, der Fa. Uhl, entgangen sein. Nur so ist zu erklären, warum ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten den Mornellregenpfeifer vergessen hat. Den Vogel, der der Namensgeber für den Regenpfeifer Acker war!

 

Schutzregeln für die Rastplätze im Wattenmeer der Nordsee sollten nicht minder für die Vogelzugrouten innerhalb Europas gelten. 

Wie sagte ein besorgter Naturschützer in diesen Tagen: „Wenn Windkraftanlagen auf dem Regenpfeifer Acker installiert werden, dann können wir Naturschutz zukünftig ganz vergessen.“ 

 

Der NABU befürwortet grundsätzlich den Ausbau der Windenergiegewinnung, setzt sich aber mit aller Kraft dafür ein, dass dieser naturverträglich erfolgt. Unser Appell ergeht an alle Beteiligten der Vorrangplanungen des Verbands Region Stuttgart, mit der Bebauung des Regenpfeifer Ackers hier nicht auf den letzten Metern einen irreversiblen Schaden entstehen zu lassen. Regenpfeifer & Co. müssen geschützt werden!

Vogelbeobachtung auf dem Regenpfeiferacker              Mornellregenpfeifer


Breites NABU-Bündnis für Erhalt des "Regenpfeiferackers" bei Hemmingen

Jochen Völlm und Ronald Meinert beim Birdwatching auf dem Regenpfeiferacker im Herbst 2024

Naturschützer kritisieren Entscheidung des Regionalverbandes für Windkraft als unwissenschaftlich und naturschutzfachlich verheerend

 

Ein breites Bündnis von sechs NABU-Gruppen im Umfeld von Hemmingen hat sich in einem Schreiben an den Regionalverband und die Regionalverbandsfraktionen gewendet.

Ihr besonderes Augenmerk: Der sogenannte "Regenpfeiferacker" bei Hemmingen. Dieser besitzt nach Angaben der NABU-Gruppen aus Schwieberdingen-Hemmingen, Korntal-Münchingen, Ditzingen, Markgröningen, Sachsenheim und Vaihingen nicht nur herausragende Bedeutung für den ganzen Kreis Ludwigsburg und die gesamte Region Stuttgart, sondern sogar über Baden-Württemberg hinaus.

 

"Wir setzen uns an vielen Orten für eine möglichst schnelle Umsetzung der Energiewende ein. Dazu gehören ohne Frage auch Windräder, auch im Kreis Ludwigsburg. Wir haben uns daher im Kreis Ludwigsburg nach den vorgelegten Planungen auf einen einzigen inakzeptablen Standort konzentriert: Denn seit über zehn Jahren besteht bei Hemmingen eine professionell betriebene Zug- und Rastvogelbeobachtungsstation. Auf den Ackerflächen gerade auf Hemminger, aber auch auf Schwieberdinger und Eberdinger Gemarkung rasten Tausende seltener Vögel auf ihrem Weg von Skandinavien und Norddeutschland nach Südeuropa und Afrika", betont Dr. Thomas Gölzer, Sprecher des NABU Schwieberdingen Hemmingen. 

Für die gefährdeten Goldregenpfeifer, Kiebitzregenpfeifer und Mornellregenpfeifer sowie zahlreiche weitere teils windkraftsensible oder vom Aussterben bedrohte Vogelarten wie Bekassine, Braunkehlchen, Raubwürger stellen die Ackerflächen zwischen Hemmingen, Schwieberdingen und Eberdingen nach Angaben der Vogelexperten des NABU einen besonders bedeutsamen Trittstein und Lebensraum dar. Sie benötigen solche offenen meist oben auf Kuppen liegenden baum- und strauchfreien Heckenflächen, um ihre oft viele Tausend Kilometer langen Zugwege meistern zu können. 

 

"Dem Regionalverband lagen umfangreiche Informationen zu diesem weit überregional bedeutsamen Rastvogelplatz vor. Auch die staatlichen Naturschutzbehörden haben in großer Deutlichkeit in ihren Stellungnahmen darauf hingewiesen, dass dieser Standort als Windvorrangfläche nicht geeignet sei. All dies hat der Regionalverband ignoriert. Das ist unwissenschaftlich, naturschutzfachlich verheerend und ignoriert bedauerlicherweise zum jetzigen Stand ganz grundlegende Abwägungsgrundsätze zwischen Klimaschutz und Artenschutz. Wir fordern den Regionalverband daher im Rahmen der jetzt laufenden zweiten Offenlegung auf, nicht nur wie erfolgt, die Flächen auf Schwieberdinger Gemarkung, sondern gerade die Flächen auch auf Hemminger Gemarkung als Windvorranggebiet zu streichen.“

Die sechs NABU-Gruppen mit nach eigenen Angaben über 1.800 Mitgliedern weisen darüber hinaus noch auf eine aus Artenschutzsicht hochproblematische Änderung der Regionalverbandsplanungen hin: "Entgegen der früheren Planung sind Windvorrangflächen verschoben worden - weg von Flächen östlich Schwieberdingens, die wir aus Naturschutzsicht mit etwas Bauchgrimmen mittragen können hin zu Flächen nördlich von Münchingen. Diese Änderung bei den Planungen trifft eine zweite Fläche mit enorm hoher Bedeutung für Rastvögel weit über die Region Stuttgart hinaus", so Johannes Völlm vom Sprecherteam des NABU Korntal-Münchingen und seit über 50 Jahren selbst ornithologisch aktiv. "Denn genau diese Flächen zwischen der B10-Ausgleichsmaßnahme Aischbach im Süden und der Stromtrasse stellen mit ihren Brutvorkommen des Rebhuhnes, das in den letzten Jahrzehnten EU-weit um über 90 Prozent zurückging und in Baden-Württemberg vom Aussterben bedroht ist, einen bedeutenden Brutvogelplatz dar. Und zugleich sind genau diese Fläche ebenfalls hoch bedeutend als Rastplatz für jährlich allein mehrere hundert Kiebitze, aber auch für Goldregenpfeifer, Kornweihen und zahlreiche weitere Vogelarten.

Die Flächen nördlich von Münchingen stellen daher den ornithologisch sensibelsten Ort des gesamten Langen Feldes dar. Wir fordern den Regionalverband daher auf, die Windkraftplanungen zwar weiter zu verfolgen, dies aber auf den näher an Schwieberdingen und den dortigen Stromabnehmern viel näher liegenden Flächen", so Völlm.